..."Das Abteil fast leer. Mir gegenüber eine rundliche Frau um die sechzig, wohl genährt, Pelzmantel, ausladendes Brillengestell, Klatschpostillen auf dem Schoß. Ihr Atem geht schwer, bald ist sie eingeschlafen, schnarcht. Ich lese und schaue aus dem Fenster. Soll ich sie wecken? Kurz vor Katowice beginnt sie zu reden, ohne mich dabei ein einziges Mal ins Auge zu fassen: Jahrgang 1942, geboren in Warschau, zwischen Kohlebriketts in einem viel zu kalten Keller, willkommen geheißen im Leben von rasselnden Wehrmachtsstiefeln, krank davon an Leib und Seele. Tränenschleier in den Augen. Der Moment, in dem mir - so unmittelbar wie nie zuvor - bewusst wird, wie sehr wir alle, Deutsche, Österreicher, Polen, Großväter, Mütter, Enkel ... versehrt worden sind von jenen mörderischen Jahren, ganz gleich, welche Schuld wir auf uns geladen oder ob wir uns überhaupt schuldig gemacht haben; wie sehr wir unter ihnen leiden, uns unter ihrer tausendfach beschwiegenen und doch so schreiend bedrückenden Last bis heute krümmen. Der "Führer" und seine willigen Helfer haben den Krieg verloren und das große Morden nicht vollendet. Ihr tausendjähriges Reich haben sie trotzdem errichtet. Verzweiflung, Hass und Trauer pumpen ihr Regime bis in unsere Leben hinein, prägen unser Denken, unser Fühlen, bewohnen unser Un- und Halbbewusstes bis heute. Da ist die Mutter, deren Mutter einst den "Untermenschen" liebte und dafrü zum Tode durch lebenslangen Mauschelmord verurteilt wurde, der noch heute ihre Kinder und Kindeskinder tief im Innern niederknüppelt; da ist der Enkel, der nicht fragen darf, warum der Großvater wieder ins Leere stiert, in den rauchschwarzen Himmel von Stalingrad, der sich in seinem Kopf Tag für Tag und in den schweißnassen Nächten über ihm zusammenbraut; da ist der Sohn, der den Vater nie sah, aber verzweifelt spürt, weil der mit seinem zerschossenen Gesicht nicht nur in der Steppe Russlands verscharrt liegt, sondern ein zweites Mal in den traurigen Augen der Mutter. Ein nimmer endender Phantomschmerz."... Christian Dries, Nach Auschwitz, in Scheidewege, 40, S. 286
ich kann es auch nicht verstehen, bin immer wieder geschockt wie dünn der lack der zivilisation ist, wenn ich an afghanistan, irak, serbien, syrien usw. denke. es passieren dinge, die nicht mehr in unsere welt passen. das schlimme ist der verlust von empathie in weiten kreisen. die ständige berieselung mit dummheit und brutalität zeigt wirkung.
HOPE written in this manner and these colors makes me feel NO hope, besides reading that there is none. Well, I feel a rage and a loss somehow. It gives me mixed feelings, but hard to explain them. All relative to color and largeness. I like this.
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