"Die Grundfrage... war immer, wie man andere Menschen dazu bringt, für einen zu sterben. was ist einem Menschen teuer genug, um ihn mit seinem Leben dafür bezahlen zu lassen? Und genau hier war die Religion im Vorteil, jahrhundertelang. Die Religion handelte immer vom Tod. Sie wurde nicht zur Betäubung eingesetzt, sondern eigentlich als Werkzeug - sie brachte die Leute dazu, für eine bestimmte Kollektion von Ansichten über den Tod zu sterben. Pervers, natürlich, aber wer sind wir, um darüber zu richten? Es war ein guter Trick, solange er funktionierte. Aber seit es unmöglich geworden ist, für den Tod in den Tod zu gehen, haben wir eine weltliche Version: Sterben, um die Geschichte voranzubringen, auf ihrem Weg zum vorbestimmten Stadium. Sterben in dem Bewußtsein, dass dieser Akt der guten Sache ein Stück weiterhilft. Revolutionärer Selbstmord, prima. Aber jetzt schau: wenn die Wandlungen der Geschichte unausweichlich sind - warum dann nicht nicht sterben? .. Wenn ohnehin alles kommt, wie's kommen muss, was macht's dann noch aus?
Pynchon, Die Enden der Parabel, S. 1099 f
dedicated to EOneArt Horst, der das Zitat natürlich kennt
Sorry, ich hätte zu dem Photo auch etwas sagen sollen. Ich weiß nicht, wofür der Titel steht, aber gemeinhin wird der Tod entweder als ein Endpunkt oder ein Übergang in ein "anderes" Leben angesehen. Das bringt das Bild toll zum Ausdruck, diese dunkle Felsenschlucht mit einem kleinen Ausblick darauf, was dahinter kommen mag, eine heile und harmonische Welt einer neuen Ordnung etwa. Doch diese Idee vom Tod ist nicht vernünftig, und nicht vereinbar mit einer einzigen Wirklichkeitsquelle.
Mein Impuls zu dem Pynchon-Text richtete sich darauf, dass das Leben in der Definition des Homo Sapiens immer vom Tod handelte. Gewiss, es ist unbestritten, dass die Menschen sich manipulieren lassen und einer äußeren Autorität blindlings in den Tod folgen, um ein Ziel zu erreichen, in das sie ihre Hoffnung gesetzt haben. Und Anführer erleiden dasselbe Schicksal, das sie für ihre Geführten wollen. Aber es geht viel weiter, wie ich denke. Gibt es hier irgendetwas, das einer sich zum Ziel setzen könnte, für das er nicht mit dem Tod bezahlen würde? Die einzige Idee, die ich kenne, die darüber hinausgeht, ist Jesu Idee der Vergebung, Heilung und Liebe, wie er sie lehrte. Seine Botschaft hat nichts damit zu tun, was die Menschen daraus gemacht haben, um weiterhin an ihren Zielen und dem Tod festzuhalten, wie sie es in ihren Institutionen die letzten 2000 Jahren weiterhin getan haben.
Platon ist ein klarer Denker, der hier beschreibt, was vonnöten ist. Das Zitat bringt es gut zum Ausdruck - während die ganze Menschheit dem Tod zu entkommen, ihn in eine ferne Zukunft zu rücken versucht, können wir nur erkennen, dass der Tod keine Wirkung hat, wenn wir uns nicht verteidigen und uns dem stellen, was uns unbekannt ist. Das heißt für mich sterben lernen: ich lasse von all meinen Ideen los und erkenne die Wahrheit dahinter. Dabei sterbe ich in meiner begrenzten Selbst-Identität und erfahre, wer ich wirklich bin.
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