Viele Menschen glauben, es gebe eine mathematische Korrelation zwischen Sünde, Buße und Erlösung. Mehr Sünde, mehr Buße und so weiter. Wir haben immer die Auffassung vertreten, dass da keinerlei Verbindung besteht. Sämtliche Variablen sind unabhängig voneinander. Buße tut man nicht, weil man gesündigt hat, sondern weil es einem beschieden ist. Erlöst wird man nicht, indem man Buße tut, sondern weil es einfach passiert. Oder nicht passiert.
Das ist nichts Übernatürliches. Die meisten Menschen haben so etwas wie ein FÜhrungsrad, das auf einem Drahtseil läuft, oder ein Gleis auf der Straße, eine Art Leitvorrichtung oder Kanal, der dafür sorgt, dass sie sich in der Richtung bewegen, die das Schicksal ihnen zugedacht hat. Sie aber springen immer wieder heraus. Entziehen sich der Buße, und damit fehlt es Ihnen an klarer Kontur.
Ich gerate aus der Spur, und Sie wollen mir dazu verhelfen, dass ich wieder so leben kann wie die meisten Menschen, ist es das?
Die meisten Menschen (und er erhob nicht die Stimme, obgleich etwas in Lew zusammenfuhr, als hätte er es getan) sind pflichtbewusst und dumm wie Ochsen. Delirium bedeutet buchstäblich, von einer selbstgepflügten Furche abzuweichen. Stellen Sie sich das hier als eine produktive Form von Delirium vor.
Und was soll ich damit?
Sie wollen es nicht?
Würden Sie es denn wollen?
Ich weiß nicht recht. Vielleicht.
Thomas Pynchon, Gegen den Tag S. 67
acryl auf pappe 50 x 80 cm
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